Aufruf: Wissenschaftler kritisieren Genderpraxis des ÖRR

Die Standardantwort des ZDF

Zuschauer, die dem ZDF einen kritischen Brief zum Thema Gendern schicken, erhalten momentan (September 2022) oft folgende Standard-Antwort:

Das ZDF möchte diskriminierungsfrei kommunizieren und achtet dabei auch darauf, wie sich Gesellschaft und Sprache verändern. Unser gesamtes Publikum soll sich im Programm angesprochen fühlen und durch die Ansprache wertschätzend behandelt fühlen. In der schriftlichen Kommunikation verwenden wir daher den Genderstern.

Aus sprachtheoretischer Sicht liegt hier eine Verwechslung von Appell- und Darstellungsfunktion (Organonmodell nach Bühler) vor. Bei direkter ANsprache “Meine Damen und Herren” spricht man von Appellfunktion. Im Rundfunk überwiegt jedoch bei weitem die Darstellungsfunktion, es wird über Menschen gesprochen. Es geht also überhaupt nicht um ANsprache, womit dieser Teil der Begründung hinfällig ist.

Das ZDF “möchte diskriminierungsfrei kommunizieren” und verwendet “daher den Genderstern”. Das ZDF hält die Verwendung des Gendersterns für eine Methode der diskriminierungsfreien Kommunikation. Was bedeutet das für Menschen, die sich gegen die Verwendung des Gendersterns oder andere Formen des Genderns entscheiden? Benutzen diese eine diskriminierende Sprache?

“In der schriftlichen Kommunikation verwenden wir daher den Genderstern.” – Und benutzen damit ein orthografisches Element, das der Rechtschreibrat derzeit ausdrücklich nicht empfiehlt. Mit welchem Recht setzt sich das ZDF über geltende Regeln der Rechtschreibung hinweg?

Das ZDF achtet auch darauf, “wie sich Gesellschaft und Sprache verändern”. Hier nimmt man auf den Sprachwandel Bezug. Gendern definiert man hier als natürliches Sprachwandelphänomen. Die Sprache im ZDF wandelt sich mit. Diskriminierungsfrei. Und unvermeidlich: “wertschätzend”. Statt von Sprachwandel sollte jedoch korrekterweise von “Sprachplanung” oder “Sprachpolitik” die Rede sein.

Der kritische “Zuschauende”, der einen solchen Brief erhält, fragt sich nun: Stemme ich mich mit meiner Sympathie für das generische Maskulinum dem Sprachwandel entgegen? Habe ich die “Veränderung von Gesellschaft und Sprache” verschlafen? Diskriminiere ich meine Mitmenschen, wenn ich – anders als das ZDF – auf den Gebrauch von Genderstern & Co verzichte? Ist mein Festhalten an geltenden Regeln der Rechtschreibung gar reaktionär?